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Ade! - Unser Schulfotolabor geht in den Ruhestand

1976 eingerichtet führte es Generationen von Schülerinnen und Schülern über 44 Jahre hinweg in die große Kunst des Fotografierens ein. Doch in den letzten Jahren geriet es zunehmend in Vergessenheit. 2020 ist es nun aufgelöst worden. Ein Nachruf.

Fotolabor3.jpgAls 1976 das Ignaz-Kögler-Gymnasium seinen Betrieb aufnahm, gab es bereits ein Fotolabor. In den Räumen war ja bis zu diesem Zeitpunkt das Dominikus-Zimmermann-Gymnasium untergebracht. Dieses zog dann in das neu errichtete Schulzentrum an der Platanenstraße um.
Das Fotolabor befand sich in einem Raum, wo sich heute die Schulkantine befindet. Leiter des Schulfotolabors vor der Teilung war Dr. Anton Huber. Als Newcomer wurde ich vom ersten Schulleiter des IKG Berthold Schmidt genannt „Beppo“ beauftragt, das Fotolabor zu übernehmen.

Das IKG befand sich zu dieser Zeit im Aufbau, d. h. der Unterrichtsbetrieb ging bis zur 10. Klasse. Man stockte dann sukzessive auf. In Vorbereitung des 1. Abiturjahrgangs wurden Renovierungen durchgeführt und der erste Erweiterungsbau mit dem Chemie-Biologietrakt mit der Bibliothek darüber errichtet. In dieser Zeit durfte ich das neue Schulfotolabor bestehend aus drei Räumen in Betrieb nehmen. In der noch ganz jungen Kollegstufe gab es auch einen Grundkurs Fotografie. Zur Notenbildung wurden Klausuren zur theoretischen Fotografie geschrieben. Die Unterrichtsbeiträge waren Fotothemen, die die Schüler selbstständig bearbeiten mussten. Neben dem Grundkurs bestand für die Schüleinnen und Schüler die Möglichkeit, die Foto-AG zu besuchen. Projekttage am Schuljahrsende ermöglichte allen Schülern, in die Fotografie hineinzuschnuppern. Ich selbst erweiterte ständig meine Qualifikation über Fortbildungsveranstaltungen des Gremiums für Schulfotografie.

Fotolabor2.jpgDie Dunkelkammer hatte inzwischen zehn voll ausgestattete Arbeitsplätze. Setzte man an jeden Vergrößerer drei Schüler, so konnte man eine Klasse mit 30 Schülern unterbringen. Wir entwickelten unsere Schwarzweißfilme selbst, wagten uns aber auch an die Farbfotografie über Diapositive.
Bei Schulveranstaltungen waren Mitglieder des Fotolabors als Chronisten tätig. Das Spektrum war breit gefächert: Theater, Konzerte, Schulschikurse, Faschingsumzüge wurden dokumentiert.
Ein besonderes Ereignis war der Besuch des Astronauten Prof. Dr. Walter. In der Aula waren zu diesem Zeitpunkt maßstabsgetreue Nachbildungen der Raketen für die Raumfahrt zu bestaunen.
Einzelne Schüler waren als freie Mitarbeiter beim Landsberger Tagblatt tätig und verdienten sich so ein Taschengeld.
Ich hatte immer wieder Aufträge für Historiker zu erledigen. Dr. Huber als Kreisheimatpfleger brachte mir ein winziges Foto aus der Nazizeit. Ich habe es mit der Reproanlage abfotografiert und vergrößert. Die Abbildung zeigte den damaligen Pfarrer von Erpfting und im Heil-Hitler-Gruß, an seiner Seite aufgereiht die HJ mit Fahne. StD Lichtenstern als Stadtheimatpfleger fand auf einem Dachboden Negative in Form von Glasplatten mit alten Stadtansichten. Diese konnte man im Kontaktverfahren sichtbar machen.
Als das Fach Natur und Technik für die 5. und 6. Klassen eingerichtet wurde, war das Fotolabor eine ideale Gelegenheit, den Schülerinnen und Schüler mit einfachen Mitteln den Einfluss von Licht, Entwickler und Fixierbad sichtbar zu machen. Aber auch Kreativübungen ohne Fotoapparat ließen sich bewerkstelligen.
Mit dem Aufkommen der Digitalfotografie nahm das Interesse an der analogen Fotografie ab. Die Räumlichkeiten wurden für Theaterrequisiten gebraucht. Plötzlich sollte die ganze Laborausrüstung entsorgt werden. Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits 10 Jahre im Ruhestand. Der in den Ruhestand scheidende stellvertretende Schulleiter StD Storz informierte mich über die Situation. Er hatte ja selbst das Fotolabor geleitet, als ich sechs Jahre an der Deutschen Schule in Brüssel unterrichtete.
Ich wandte mich u. a. an das Süddeutsche Fotomuseum in Bad Wörishofen. Dort hatte man Interesse an der Leica M1. Die Repro-Anlage brachte ich nach Wetzlar zur Fa. Leica (vormals Leitz), wo sie einen würdigen Platz im dortigen Museum erhielt. Der übrige Geräte-Fundus wurde im Abfallzentrum Hofstetten entsorgt, obwohl es zaghafte Versuche gibt, die Analog-Fotografie wieder zu beleben.Fotolabor1.jpg


Kaufering, 25.10.2020
Karl Dirscherl, StD a. D.

 

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