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Ein Schaf denkt nach - Irgendwie und sowieso

Musische Schülerinnen und Schüler der Klasse 6d besuchen ein ungewöhnliches Konzert der Band "Haindling" um Hans-Jürgen Buchner im Rahmen der Orff-Tage der Bayerischen Philharmonie in München und erleben bei dieser Generalprobe, was für eine fantastisch vielseitige Musik mit zum Teil recht schrägen Titeln sechs Männer aus zwanzig Instrumenten hervorzaubern.

Ein herrlicher Tag für einen Ausflug nach München: Wolkenloser Himmel und angekündigte 30 Grad. Da werden die Abiturienten bei ihrer Zeugnisverleihung ganz schön schwitzen, wird sich der eine oder andere Schüler der musischen 6d sicher gedacht haben. Schon vor einigen Monaten hat uns ein Schülervater der 6d auf die Orff-Tage der Bayerischen Philharmonie aufmerksam gemacht. Er singt im Philharmonischen Chor in München Tenor. Das Motto der diesjährigen Konzerte heißt „Orff Meets Haindling“. Haindling ist ein Ort in Niederbayern in der Nähe von Straubing und gleichzeitig der Name der Gruppe um Hans-Jürgen Buchner, der den Namen seines Wohnorts kurzerhand zum Bandnamen erklärt hat. Als wir den großen Konzertsaal der Philharmonie betreten, hört man das eine oder andere Raunen ob der Größe: über 2300 Sitzplätze in schräger Anordnung. Wir haben gute Plätze Reihe 6-9 zentral vor der Bühne. Diese ist bestückt mit über 20 Instrumenten für die Band, dabei sind es nur sechs Musiker, die mitspielen. Endlich geht es los. Der Philharmonische Chor tritt ein, und es dauert lange, bis die 75 Sängerinnen und Sänger ihre Plätze gefunden haben. Dazu kommt das Philharmonische Kammerorchester: etwa 15 junge Musiker aus über 10 Nationen. Als dann Dirigent Mark Mast mit seinem Frack die Bühne betritt brandet großer Applaus auf, der sich noch verstärkt, als er die Gruppe Haindling begrüßt und auf die Bühne bittet. Leider wird die zuerst angekündigte „Carmina Burana“ von Orff nicht gespielt, dafür hören wir aber ein fast zweistündiges, gemeinsames Programm, das Stücke von Haindling mit Orchester und Chor auf die Bühne zaubert. „Notenjunkies treffen Gefühlsmusiker“ drückt es meine Sitznachbarin aus. Hans-Jürgen Buchner kann anscheinend keine Noten lesen, Mark Mast, dafür umso präziser. Da kommt es dann schon mal zu kleinen Abstimmungsschwierigkeiten auf der Bühne, aber es ist ja eine Schülervorstellung, also eine Art Generalprobe. Die Schüler sehen das nach, das man auf der Bühne noch das eine oder andere Problem ausdiskutieren muss oder Einsätze nicht ganz klappen. Am Abend, vor ausverkauftem Haus, wird das sicher anders werden. Zunächst aber entführt uns die Musik in alpenländisches Gebiet: Neben Kuhglocken hört man auch Muhen und Holzklappergeräusche. Jedes Stück klingt anders, einzigartig. Wie Filmmusik. Und davon hat Haindling ja wirklich viel produziert. Die Multiinstrumentalisten holen ein Instrument nach dem anderen aus ihren Verstecken, die sich zu den zuerst über 20 gezählten hinzugesellen. Interessant sind auch eine Art metallische Alphörner, die sich wie Fächer auseinanderziehen lassen und sich anhören, wie bronzezeitliche Luren. Mark Mast und Hans-Jürgen Buchner erklären immer wieder zwischen den Stücken die Musik und die Instrumente, und was sie dazu bewegt hat, dieses gemeinsame Konzert auf die Beine zu stellen. Zwischendrin erklingt dann doch noch ein kurzes Männerchorstück von Carl Orff, einem der wohl berühmtesten bayerischen Komponisten, der in München geboren wurde, lange in Dießen am Ammersee gewohnt hat und in der Klosterkirche Andechs bestattet ist. Jetzt könnte man darüber philosophieren, wie bayerisch die Musik von Haindling wirklich ist, die sich ja selbst eher als Weltmusiker sehen. Doch das Philosophieren nimmt uns die Gruppe in Titeln wie „Mond“ oder „Ein Schaf denkt nach“, mit Unterstützung vieler „Oohs“ und „Aahs“ des Chores und in schönen Arrangements für das begleitende Orchester, ab. Ein fantastisches Konzert endet nach über eineinhalb Stunden mit dem Titel „Paula“. Jetzt dämmert dem ein oder anderen Schüler, dass man das schon mal irgendwo und sowieso gehört hat, denn viele singen und klatschen begeistert mit. „Irgendwie und sowieso“ war auch die Filmserie aus den Achtzigern, die Haindling mit ihrer Musik zum Kult gemacht haben, und das wird nun als erste Zugabe gespielt. Mit „Lang scho nimmer g’sehn“ verabschieden sich die Künstler von uns unter lange anhaltendem Applaus. Wir warten noch geduldig, bis sich die Bühne geleert hat und der Schülervater zu uns kommen kann. Er erklärt uns noch kurz die schwierige Akustik des Saales. Anschließend begeben wir uns auf die Heimreise, nichtsahnend, dass wir im Zug bei diesen Temperaturen nochmals gehörig ins Schwitzen komme Erschöpft, aber fasziniert und beeindruckt vom Konzert kommen wir nach zweimal Umsteigen wieder wohlbehalten in Landsberg an.

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