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Hand in Hand – Ein Remake nach vielen Jahren

Die Musikszene in Landsberg kann sich sehen lassen. Wie viel talentierter Nachwuchs sich allein in den Orchester und Ensembles der beiden Gymnasien und der Musikschule findet, stellte ein gemeinsames Frühjahrskonzert am 17. März 2019 eindrucksvoll unter Beweis. Über 180 Schülerinnen und Schüler folgten dem Ruf „Auf zum Tanz!“ und begeisterten das Publikum mit rhythmischen Klängen von Irischer Volksmusik bis zum Kaiserwalzer. Ihre Orchesterleiter ließen damit eine jahrzehntealte Idee wieder neu aufleben.

2019_HP2.JPG„Hand in Hand“ – so sollte Johann Strauß‘ berühmter Kaiserwalzer eigentlich ursprünglich heißen, mit dem man vor über hundert Jahren das Berliner Konzerthaus „Königsblau“ eröffnete. Hand in Hand arbeiteten in diesem Schuljahr auch die Orchester- und Ensemble-Leiter der Städtischen Musikschule, des Dominikus-Zimmermann-Gymnasiums und des Ignaz-Kögler-Gymnasiums für ein gemeinsames Orchesterprojekt zusammen. Gleich nach den Faschingsferien ging es Mitte März in die heiße Phase: ausgiebige Probentage von Donnerstag bis Samstag. Mehr als 180 junge Musiker trafen sich dazu schulübergreifend an den beiden Gymnasien, um in zwei Orchestern, getrennt nach Leistungsstand, Stücke einzustudieren.
Im Anschluss daran dann das großes Konzert am Sonntag mit bis zu 500 Zuhörern in der Dreifach-Turnhalle des Landsberger Sportzentrums.
2019_HP1.JPGNachdem Musikschulleiter Lothar Kirsch das Publikum im Namen der Orchester und ihrer Leiter begrüßt hat, lässt auch schon das rund 70 Mädchen und Buben starke Ensemble unter der Leitung von Marianne Lösch die Weisen des irischen Stücks A Celtic Ring erklingen. Die Melodie zum darauffolgenden Norwegischen Tanz Nr. 2 entnahm der Komponist Edvard Grieg einer norwegischen Volksmusiksammlung und schrieb das Stück zunächst für vierhändiges Klavier. Erst später bearbeitete er das traditionelle Stück für Orchester.
Beate Leupold, die Leiterin des Sinfonietta-Orchesters der Musikschule, hat sich ebenfalls zwei romantische Komponisten für ihren Part ausgesucht: Aus dem Ballett "Der Nussknacker" gibt das Orchester den Tanz der Rohrflöten von Pjotr Iljitsch Tschaikowski zum Besten. Der Slawische Tanz Nr. 8 aus op. 46 von Dvořák – auch Furiant genannt –ist eine rhythmische Herausforderung, die das junge Ensemble bestens umschifft.
Mit fanfarenartigen Klängen eröffnet nach einer kurzen Umbau- und Stimmpause das achtköpfige Trompetenorchester den zweiten Teil des Konzerts: Die typischen Pauken und Trompeten des Einzugs der Gäste auf die Wartburg aus Richard Wagners 1842 vertonten Oper Tannhäuser sind in einer Bearbeitung zu hören. Inzwischen hat ein ca. 110 Leute starkes Ensemble unter der Leitung von Betina Pfaffendorf, bestehend aus fortgeschrittenen Musikern, auf der Bühne Platz genommen, darunter viele Preisträger von „Jugend musiziert“, Mitgliedern von weiterführenden Orchestern (z. B. Schwäbisches Jugendsinfonieorchester) oder Schülern, die sich die Musik als Berufsziel gesetzt haben.
Musik und Bewegung gehören seit Jahrtausenden untrennbar zusammen. In der klassischen Musik verbindet man gerne das Ballett mit dem Thema Tanz. Der Russe Sergej Prokofjew widmete sich in einem seiner Werke dem berühmten Drama Romeo und Julia von William Shakespeare, setzte es 1934-36 beeindruckend in Töne um und versuchte an die Tradition des russischen Balletts anzuknüpfen. Das Orchester unter der Stabführung von Birgit Abe spielt daraus den bekannten Satz Montagues And Capulets, einen Marsch, der einerseits durchaus an ein einfaches Kinderlied erinnert, andererseits geschickt damit Dissonanzen und wilden Gestus verknüpft.
2019 HP3.JPGEtwas früher – in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, schrieb der Tscheche Antonín Dvořák die vielbeachteten Slawischen Tänze zunächst für Klavier, später bearbeitete er diese für sinfonisches Orchester und macht mit diesem Verkaufsschlager seinen Verleger reich. Acht Jahre nach dem großen Erfolg der ersten Reihe (siehe oben op. 46) machte sich der Komponist erneut ans Werk und ließ wiederum acht Tänze folgen, u. a. den Tanz Nr. 2, Starodávny in e-Moll, den das Orchester nun zu Gehör bringt.
Der Drang nach Musik und Bewegung bleibt nicht auf einzelne beschränkt. Ein Zeitgenosse Wagners und Dvořáks ließ auch den Adel begeistert nach seinen Klängen tanzen. Johann Strauß‘ Sohn galt als der Walzerkönig, mit einem Opus von 150 großangelegten Walzern und über 300 weiteren Werken. Der 1889 ursprünglich als Hand in Hand titulierte Kaiserwalzer ist mit seiner Dauer von um die zwölf Minuten ganz typisch für den Wiener Meister. Als nun unser großes Orchester den Walzer am Ende des Konzerts aufspielt, erfüllt sich auch ein seit Jahren gehegter Wunsch des Dirigenten Martin Heller. Großartig beweist das Orchester Kondition und Konzentration und begeistert mit dynamischen Feinheiten, ständigen Tempowechseln und vor allem sauber gespielten Melodien.
Ein fantastisches Konzert geht zu Ende, lang anhaltender Applaus belohnt die jungen Musiker und ihre Lehrer. Rhythmisch klatschend wird das Publikum nicht müde Zugabe einzufordern und schließlich trägt das Orchester noch einmal den Schlussteil vor, die Coda des Kaiserwalzers.


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Die Idee zu unserem Konzert ist nicht neu gewesen. Schon vor vielen Jahren fuhren Gerhard Gleißner, Gerhard Johannes und Alfons Schmidt, Musiklehrer an den Gymnasien in Landsberg und Gilching, mit ihren Orchestermitgliedern zu gemeinsamen Probentagen nach Ottobeuren, um danach mehrere Gemeinschaftskonzerte zu geben. Mit an Bord waren seinerzeit schon Betina Pfaffendorf und Birgit Abe als Violinistinnen. Es ist nun schon gut ein Jahr her, dass sich die Nachfolger der damaligen Orchesterleiter trafen, um die schöne Idee des gemeinschaftlichen Musizierens wieder aufzugreifen.
Ein Konzert von solcher Größe bedarf natürlich der besonderen Vorbereitung. Diese leisteten die Orchesterleiter Birgit Abe (SMS), Martin Heller (IKG), Beate Leupold (SMS), Marianne Lösch (IKG) und Betina Pfaffendorf (DZG) sowie die Holzblasinstrumentenlehrerin Jeanette Höfer (SMS) in den jeweiligen Schulensembles über viele Wochen lang. Es hat sich gelohnt, ein Remake bleibt nicht ausgeschlossen.

 

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