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So nah und doch so fern

Besuch in Bunkeranlage und Lager 7

150321_HP4.JPGAm 12. März 2015 unternahmen drei Geschichtsklassen der 9. Jahrgangsstufe eine Exkursion in die Welfenkaserne, um etwas über den geschichtlichen Hintergrund des dort von jüdischen KZ-Häftlingen errichteten Bunkers zu erfahren.
Anschließend wurde uns viel über die Arbeitslager, in denen die Häftlinge während ihrer Arbeit untergebracht waren, berichtet. Es war uns sogar möglich, eines dieser Lager, das Lager 7, zu besuchen.150312_HP1.jpg

In der Welfenkaserne wurden wir zunächst von Oberstabsfeldwebel Helmut Müller empfangen, der uns in den folgenden zwei Stunden eine Menge über die schrecklichen Erfahrungen jüdischer Gefangenen in der Zeit des Nationalsozialismus erzählte. Auch wie diese Menschen benutzt wurden, um die unterirdische Flugzeugfabrik „Weingut II“ zu errichten, war ein wichtiges Thema in dem sehr informativen Vortrag.
Der Bunker, der von Hitler 1944 persönlich in Auftrag gegeben wurde, war das große Projekt der Nationalsozialisten in unserer Region, das sie aber nie fertig stellen konnten. Herr Müller veranschaulichte uns die damalige und bis heute erschreckende Realität des Alltags der Gefangenen sehr gut. In der militärischen Sammlung konnten wir Originalstücke aus dem Besitz der Überlebenden, aus den Lagern oder Überreste vom Bau des Bunkers betrachten. Die Fotowand mit dem Namen „Wir sind Menschen und keine Nummern“ beeindruckte uns alle zutiefst. Dort wird ein große Anzahl verstorbener sowie überlebender Häftlinge gezeigt, wodurch sie wieder Namen und Gesichter erhalten.
Anschließend führte Herr Müller uns zu der noch sehr gut erhaltenen Bunkerhülle, die uns alle in ihrer Größe überraschte. Durch die dicken Mauern von 18 Metern und die hohen Decken mit 25 Metern, einer Breite von 85 Metern und einer Länge von 233 Metern konnten wir erahnen, welche Schwerstarbeit es gewesen sein musste, an Hunger leidend, seiner Kräfte beraubt und unter schwersten Bedingungen hier Monate lang bei jedem Wetter zu arbeiten.150312_HP3.jpg

Eine kurze Busfahrt brachte uns anschließend zu dem gut erhaltenen Lager 7 bei Erpfting. Dort begrüßte uns Herr Deiler, der Stiftungsvizepräsident der europäischen Holocaustgedenkstätte, der uns durch das Lager führte und uns über die Lebensbedingungen der Gefangenen berichtete. Zum einen konnten wir so einen der so genannten Flaschenbunker sehen, die noch fast vollkommen im Originalzustand sind. Dort hatten etwa 60 Frauen auf ca. 35 m² zu leben. Zur Zeit werden in den Gebäuden Klimaforschungen betrieben und man kann feststellen, dass es eindeutig zu feucht ist, um dort wohnen zu können. Zum anderen sahen wir die damaligen „Bäder“. Es handelte sich um vier Waschplätze mit jeweils einer „Toilette“ und neun Duschen für insgesamt etwa 2000 Menschen. Durch den eindeutigen Hygienemangel verbreiteten sich Krankheiten mühelos.

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Wir hörten Geschichten, die uns von den unfassbar kleinen Essensrationen der Arbeiter erzählten. Trotz der schweren Arbeit, die die Häftlinge verrichten mussten, erhielten sie keine ausreichende Ernährung.150312_HP5.JPG
Auch die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Gefangenen waren überraschend. Die einen setzten sich für ihresgleichen ein, und wurden dafür oft grausam bestraft, andere zeigten Seiten der Unmenschlichkeit, um ihr eigenes Überleben zu sichern.

Wir alle waren uns einig, dass dieser Tag ein sehr interessanter und erschreckender zugleich war. Es war unfassbar, wie die Gefangenen behandelt, untergebracht und verpflegt wurden. Für uns war es unglaublich, dass es möglich ist, so etwas so lange zu überleben! Vor allem, dass sich dieses Grauen so nah bei uns, in unserer jetzigen Heimat, zugetragen hat, ist so schrecklich.
Die Ausstellung in der Welfenkaserne ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Versprechens, die Erinnerung wachzuhalten und eine derartige Grausamkeit nie wieder zuzulassen.

Wir danken der Welfenkaserne und den Militärhistorikern für die großartige Arbeit, die im Museum steckt, und für die kompetente und eindrucksvolle Führung, die wir erhielten.


Svenja Plank, 9c, Lorenz Birnberger, 9c, Jonathan Zwießler 9d
 

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