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Elternarbeit an der Schule: Alles andere als eine Nebensache

Prof. Dr. Dr. Werner Sacher sprach vor Lehrkräften und Eltern in der IKG-Aula über Wege und Bedingungen einer gelingenden Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule. Dabei machte er den Schulerfolg und die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes zum Zentrum seiner Betrachtungen. Im Anschluss an den Vortrag bot sich den Zuhörern die Gelegenheit, über die allgemeine Diskussionsrunde hinaus bei einem kleinen Imbiss zwanglos miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung soll den Auftakt geben für eine Reihe ähnlicher Angebote für Eltern und Lehrkräfte in lockerer Folge.

Im Rahmen des Pädagogischen Fortbildungsprogramms am Ignaz-Kögler-Gymnasium sprach am 1.10.2015 Prof. Dr. Dr. Sacher vor Lehrkräften und Eltern über Wege und Bedingungen für eine gelingende Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule. Dabei machte er den Schulerfolg des Kindes, also das gemeinsame Anliegen von Eltern wie Lehrkräften, zum Ausgangspunkt seiner Betrachtungen.HP1.jpg

Für nicht geringe Überraschung sorgte er bei seinen Zuhörern mit der Feststellung, dass dabei die Einflüsse der Familie mehr als doppelt so hoch seien als die von Schule, Lehrkräften und Unterricht. Dabei konnte er eindrucksvoll auf zahlreiche internationale Studien verweisen. Selbst Ganztagseinrichtungen drängten den elterlichen Einfluss nur zu einem geringen Teil zurück.

Elternarbeit an einer Schule ist also alles andere als Nebensache. Demzufolge sprach sich Sacher entschieden für eine Umorientierung in der Elternarbeit aus. Grundlage dazu sei natürlich der Umgang zwischen Eltern und Lehrkräften auf Augenhöhe. Schulen sollten darauf achten, dass sich Eltern dort auch willkommen fühlten.

Elternarbeit müsse zudem verstärkt die Schüler einbeziehen, etwa durch die Etablierung von Eltern-Lehrer-Schüler-Gesprächen. Und Elternarbeit müsse auch Netzwerkarbeit sein: Nicht alle aufkommenden Probleme in Familien könnten von der Schule aufgefangen werden, aber Schule wie Eltern(vertreter) könnten dabei helfen, durch die Bereitstellung ihrer Kenntnisse und Kontakte professionelle Unterstützung zu finden. Denn erfolgreiche Elternarbeit, wurde Sacher nicht müde zu betonen, müsse am Ende immer bei den Schülerinnen und Schülern ankommen. Dabei wies er Eltern und Lehrkräfte auch auf die Notwendigkeit eines wechselseitigen, unaufgeforderten Informationsaustauschs hin. Beide Gruuppen sollten regelmäßig, und nicht nur problemveranlasst, miteinander ins Gespräch kommen.

Den Eltern machte Sacher schließlich deutlich, wie sehr ihre Kooperation vor allem zuhause gefragt sei: „Interesse an den Leistungen der Kinder“, „Ansporn zum Lernen“, „Hilfe beim Lernen“, „Anhalten zu Pflichtbewusstsein und Anstand“ – mit diesen Schlagworten umriss er ihre primären Aufgaben und wiederholte: „Heimbasierte Kooperation ist entscheidend für den Bildungserfolg!“ Weder eine höhere Schulbildung noch die Beherrschung der deutschen Sprache sei dazu erforderlich. Was zähle seien vielmehr die hohen (aber nicht überhöhten!) Erwartungen der Eltern und ihr starkes Zutrauen in die Fähigkeiten ihrer Kinder. Sacher sprach sich ganz entschieden für einen autoritativen Erziehungsstil aus: „Warme, liebevolle Umgebung, Ermutigung und Förderung von Selbstständigkeit, Struktur und Disziplin: Ordnung und Regeln, strukturierter Tagesablauf, Verantwortung für Aufgaben im Haushalt, Kommunikation Eltern – Kind, in der Grundschulzeit: Lesen mit dem Kind“. Worauf es hingegen nicht ankomme: „auf Übernahme einer Hilfslehrer-Rolle“, im Gegenteil - dies sei eher kontraproduktiv. Einer Feststellung, der die anwesenden Lehrkräfte nur beistimmen konnten.

Heikel, aber erforderlich sei Elternbildung – heikel: da sie kostenfrei sein müsse und nicht diskriminierend sein dürfe. Hier seien vor allem die Elternvertreter gefragt, die an vielen Schulen das Hauptaugenmerk ihrer Arbeit noch stärker als bisher auf die Eltern selbst ausrichten müssten statt auf Schule und Schulleitung.

Fast neunzig Minuten lang wurde Prof. Dr. Dr. Sacher nicht müde, seinen Kernthesen mit immer neuen Datenmaterial Nachdruck zu verleihen und umfassend zu erläutern; man spürte, wie wichtig es ihm war, richtig verstanden zu werden. Seine Ausführungen verfehlten bei seinen Zuhörern ihre Wirkung nicht. In der anschließenden Diskussion zeigten sich Eltern durchaus überrascht, dass der Elterneinfluss von der Wissenschaft so hoch angesiedelt werde. „Ob denn dann finnische Eltern die besseren seien, wenn dort die Pisa-Ergebnisse so viel besser ausfallen würden?“, fragte eine Mutter nachdenklich. Eine andere sprach den Einfluss von motivationsfördernden Maßnahmen der Schule an. Prof. Sacher aber blieb dabei: Was die Motivation betreffe, so sei dieser Faktor durchaus bei den genannten Studien berücksichtigt. Schulische Motivation könne demnach die Rolle des elterlichen Einfluss nicht aufwiegen. Vielleicht seien ja die finnischen Eltern die, die besser mit der Schule kooperierten und umgekehrt die finnischen Schulen die, die besser mit ihren Eltern kooperierten? Die Lehrkräfte hielten sich bei der Diskussion eher zurück: Waren sie zu neugierig auf das, was die Eltern, die eindeutig in der Unterzahl leider weniger als erhofft vertreten waren, zu sagen hatten? Wie gut, dass das P-Seminar Französisch im Anschluss mit einem kleinen Imbiss aufwartete, so dass Eltern und Lehrkräfte noch außerhalb des Plenums die Möglichkeit hatten, sich auszutauschen.

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Vertrauen, Verständnis, Verständigung – unter diesen Schlagworten formulierte der Arbeitskreis aus Eltern und Lehrkräften im vergangenen Schuljahr seine Leitgedanken zu unserem Konzept zur Erziehungs- und Bildungspartnerschaft am Ignaz-Kögler-Gymnasium, wohlwissend, dass dies die Säulen einer gelungenen Kommunikation zwischen Eltern und Lehrkräften sind, die maßgeblich alle übrigen Bereiche des Miteinanders prägen und wesentliche Voraussetzung für gelingende Persönlichkeitsentwicklung und Bildungserfolg junger Menschen darstellt. Gelegenheiten schaffen, miteinander konfliktfrei und unbelastet ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen, über das, was Eltern wie Lehrkräfte gleichermaßen angeht, möglichst bevor es brennt: Dazu diente diese Abendveranstaltung als Auftakt einer Reihe von Vortrags- und Fortbildungsangeboten für Eltern und Lehrkräfte an unserer Schule. Vielen Dank an alle, die sich die Zeit genommen haben, umgekommen und ihr Interesse gezeigt haben.
Prof. Dr. Dr. Werner Sacher, der vor seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg innehatte, beschäftigt sich in seinen Forschungen schwerpunktmäßig u.a. mit der Kooperation von Schule und Elternhaus und geht in diesem Zusammenhang der Frage nach den Bedingungen von Bildungs- und Erziehungserfolg nach. Vielen Dank an Prof. Dr. Dr. Sacher für seine umfassenden Ausführungen, sowie an alle Eltern und Lehrkräfte für ihre interessierte Teilnahme und den anschließenden Austausch miteinander. Dank auch an die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars Französisch für die köstlichen  Kuchen, die die Anwesenden zum Verweilen und Plaudern einluden.

 

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