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DADA probieren! - Mit Künstlern auf Augenhöhe

Das Konzertprojekt der siebten Jahrgangsstufe traf in der gefüllten IKG-Aula am 19. November 2015 auf ein begeistertes Publikum: Zusammen mit dem Hamburger Klavierduo Friederike Haufe und Volker Ahmels inszenierten die Schülerinnen und Schüler nach einer intensiven Projektwoche im Rahmen von "Taste for school" ein einzigartiges Gesamtkunstwerk aus Musik, Tanz, Theater und Performance.

Plakat_taste-for-school_IKG-homepage.jpgWas ist DADA?! Eine nicht leicht zu beantwortende Frage. Eine berechtigte Frage. Eine Frage, die die beiden charmanten Siebtklässlerinnen, die die Zuschauer an diesem Abend durch das Programm führen, mit dem Hinweis beantworten, dass sich eigentlich alle DADA-Künstler gegen die Beantwortung dieser Frage gesträubt hätten: „Ganz allgemein kann man sagen: Die Dadaisten stellen sich gegen Regeln und Ordnung des Kunstbetriebs. DADA ist ein Aufstand gegen die Gesellschaft und die herrschenden bürgerlichen Ideale. Es darf ein großes Fragezeichen im Kopf des Zuschauers – in Ihren Köpfen – entstehen!“taste for school hp1.JPG
Das große Fragezeichen war natürlich auch erst einmal in den Köpfen der mit dem Projekt betrauten Lehrkräfte: Wie sollte man Siebtklässlern erklären, dass DADA - diese schrille Kunstströmung zu Beginn der Moderne Anfang des 20. Jahrhunderts, die hinter alles den totalen Zweifel setzte - zwar herrlich verrückt, aber alles andere als nur „Blödsinn“ ist?! Mit bewundernswerter Geduld stand das Hamburger Künstlerpaar Friederike Haufe und Volker Ahmels während der Projektwoche den einzelnen Schülergruppen und Lehrkräften bei der Umsetzung und Erprobung ihrer Ideen zu den vier dadaistischen Klavierstücken zu Verfügung. Am Ende, so die Überzeugung der Pianisten, würde ein einzigartiges Gesamtkunstwerk zur Aufführung kommen, bei dem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleichberechtigt auf der Bühne stünden. Ein Konzept, von dem nicht nur sie, sondern auch die VR-Bank Landsberg-Ammersee als alleiniger Sponsor der Veranstaltung überzeugt war. Begeistert von der Idee zeigte sich auch Schulleiterin Ursula Triller: Da war zunächst der ganzheitliche, fächerübergreifende Ansatz, der von Kunst über Musik zur Beschäftigung mit Literatur und den Ausdrucksformen des eigenen Körpers in Tanz und Pantomime reicht. Die Tatsache, dass Schülerinnen und Schüler des Ignaz-Kögler-Gymnasiums mit namhaften Künstlern „auf Augenhöhe“ zusammenarbeiten dürfen. Die neuen Perspektiven, die dieses Projekt auch für die damit betrauten Lehrkräfte auf den Unterrichtsalltag boten. Vor allem aber die Möglichkeit, dass ein ganzer Jahrgang jenseits der Klassengrenzen, jenseits des Stundenplans und jenseits von Fächergrenzen mehr als eine Woche intensiv an einer Sache arbeitet, gemeinsam ein Ziel verfolgt und ein Thema zu seiner Sache macht.

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Den Auftakt zu dem Konzert bildete Alexandre Tansmans „La Danse de la Sorcière“ – der Tanz der Hexe. Aber welche Hexe mag da Tansman vorgeschwebt haben? Jeder kennt diese böse Hexe aus dem Grimm‘schen Märchen, bei denen alles aufatmet, wenn sie endlich vom braven Gretel in den Ofen gestoßen wird. Aber nicht alle Hexen sind böse! Was nicht heißen soll, dass alle Hexen gut sind! Ganz unberechenbar ist Baba Jaga, diese merkwürdige Hexe aus dem russischen Volksmärchen, die in ihrem hühnerbeinernen Hexenhaus sitzt und, wenn sie gut drauf ist, lieb, hilfsbereit und freundlich ist, um – kaum hat man sich recht versehen – schon wieder furchtbar garstig sein und einen sogar verspeisen kann. Mehrere Märchen wurden von den Schülern zu Baba Jaga entworfen, kopiert, anschließend wieder zerschnitten und willkürlich zu einem DADA-Märchen zusammengesetzt. Zwar befinden sich die Originale noch in einer geheimen Schatzkiste, doch was die Hexen, Kobolde und Märchentiere da auf der Bühne beschwörend rezitieren, lässt jemanden im Publikum wie seinerzeit Faust in der Hexenküche nur verzweifelt ausrufen: „Mich dünkt, die Alte spricht im Fieber“. Wie weiland Mephistopheles wenden sich sogleich ein Baum und ein Gespenst an den Mann und versichern: „Das ist noch lange nicht vorüber … Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, / Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.“ Und so kann der verrückte Tanz der Hexen, Kobolde und Märchentiere unter den Klavierklängen des Künstlerduos loslegen.

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Keine Frage, für das nächste Klavierstück „Tap Dance“ hätte sich der Komponist Dick Kattenburg selbst sicherlich einen Stepptanz vorstellen können. Aber was hat hier ein Blechschild mit der Aufschrift „Feuerwehrzufahrt“ oder eine Mülltonne verloren?! Mit außergewöhnlichen Percussioninstrumenten machen Schüler dieser Gruppe die tänzerischen Rhythmen hörbar, bevor es ans Steppen geht.
Von Anfang an auf Vielfalt und Kreativität war die Gruppe bedacht, die sich mit Erwin Schulhoffs „Ironien“ beschäftigte: Leuchtende Strichmännchen tanzen bizarr zum Allegretto molto, eine einsame Geige hält zusammen mit einem Saxophon Zwiesprache zum Allegro agitato, Tränen lacht das Publikum bei dem verwirrenden Spiel der Beine zum Alla marcia militare. Zauberhaft schweben Lichterstäbe beim „Allegro ma non troppo“ durch die Luft, Faszination löst das perfekte Handclappling zum „Allegro deciso“ aus. Und ist es nicht naheliegend, dass am Ende Füchse den Foxtrott zu „Tempo di Fox“ tanzen?!

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Ganze zwanzig Minuten lang spielen. Während die Finger der Klavierkünstler über die Tasten des Flügels rasen, sind alle anderen auf der Bühne mundtot. Das längste Stück des Abends dreht sich um das Klavierstück „Le boeuf sur le toit“, in dem mitnichten ein Ochse oder ein Dach vorkommen. Hier hat sich der Komponist Darius Milhaud eine Art Stummfilmszene gewünscht. Und so verwandelt sich die Bühne in eine grell erleuchtete Bar mit skurrilen Figuren: diverse Zecher, zwei coole Damen, zwei elegante Damen, ein Boxer, ein Kellner, … Ob tatsächlich nur Milch getrunken wird, wie ein Schild demonstrativ behauptet, scheinen die beiden auftretenden Polizisten arg zu bezweifeln. Mit ihnen wird im Verlauf der beeindruckenden Pantomime nicht allzu zimperlich umgegangen – und am Ende bekommen sie auch noch eine meterlange Rechnung präsentiert …
„Taste for school“: Da schwingt das englische Wort „taste“ für „Geschmack“ ebenso mit wie das deutsche Wort „tasten“ für Ausprobieren. „Durch Probieren auf den Geschmack kommen“ also, auf den Geschmack von Musik – auch durchaus sperriger, schriller, verrückter Musik wie die des Dadaismus.

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88 Tasten auf dem Klavier und fast genauso viele Siebtklässlerinnen und Siebtklässler, jeder für sich wichtig und besonders, aber nur im Zusammenspiel ein Ganzes ergebend, nur dann, wenn jeder seine Rolle hat und ausfüllt – vom Sänger über den Requisiteur, vom Techniker zum Rezitator. „Vielleicht“, so Schulleiterin Ursula Triller, „ist dies die wichtigste Erkenntnis und wertvollste Erfahrung, die diese Woche für die Schüler und Lehrkräfte gebracht hat – dass es, will ein Werk, will diese Welt gelingen, auf jeden Einzelnen ankommt und darauf, wie er das Seine am besten zum Wohle der Gemeinschaft einbringt“. Sie bedankte sich bei denen, die dies möglich gemacht haben: der VR-Bank Landsberg-Ammersee für die großzügige Finanzierung des Projekts, dem Künstlerduo Haufe und Ahmels für die Idee „Taste for School“ und die Bereitschaft, sich damit auf Schule einzulassen, den Lehrkräften, v.a. Agnes Flatz, die die Gesamtkoordination innehatte, den Schülern der AG-Veranstaltungstechnik und natürlich den Siebtklässlerinnen und Siebtklässlern, die gezeigt haben, das sie sich ernsthaft auf ein dadaistisches Kunstprojekt einlassen und Erstaunliches auf die Beine stellen können. Herrlich verrückt zwar, aber alles andere als Blödsinn!
 


 

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