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Siebtklässlerinnen für "Jugend forscht" mit dem Rollator unterwegs

"Ist Landsberg am Lech bereit für den demographischen Wandel?" - Diese Frage stellten sich Laura Sauer und Maren Zwafelink aus der Klasse 7c im Rahmen von "Jugend forscht" und zogen für ihre Arbeit mit einem Rollator durch Landsbergs Innenstadt. Entstanden ist eine sehr aufschlussreiche Arbeit, mit der die beiden nach dem Regionalsieg nun auch die Landesjury in Dingolfing überzeugten. Die Schulgemeinschaft des Ignaz-Kögler-Gymnasiums freut sich mit ihnen über einen ersten Platz. Herzlichen Glückwunsch!

 Nach ihrem Regionalsieg in Schondorf durften Laura Sauer und Maren Zwafelink (beide Klasse 7c) ihre Forschungsarbeit zum Thema "Mit dem Rollator unterwegs - ist Landsberg am Lech bereit für den demographischen Wandel?" beim 22. Landeswettbewerb "Jugend forscht - Schüler experimentieren" in Dingolfing präsentieren. Zusammen mit 47 anderen Forschergruppen aus Bayern stellten die beiden am 18. und 19. April 2016 ihre Arbeit im BMW-Werk Dingolfing vor. Und erneut konnten sie die Jury überzeugen. So erreichten Laura und Maren im Bereich Geo- und Raumwissenschaften einen hervorragenden ersten Platz.

Preisverleihung HP2.JPG

Die beiden Mädchen beschreiben in ihrer Arbeit ihre Vorgehensweise und  die von ihnen dabei beobachteten Hauptprobleme. Auch über Verbesserungsmöglichkeiten haben sie sich Gedanken gemacht, wie ein Blick in die Kurzfassung ihrer Arbeit verrät:

"Der demographische Wandel beinhaltet unter anderem auch, dass der Anteil der älteren Menschen an der Bevölkerung immer weiter zunimmt. Auch wenn ältere Menschen immer fitter sind und werden, sind doch viele auf Gehhilfen, wie z.B. einen Rollator angewiesen.
Wir haben geprüft, ob die Altstadt von Landsberg am Lech gut mit dem Rollator begehbar ist, welche Schwierigkeiten auftauchen und welche Verbesserungsmöglichkeiten bestehen.
Dafür sind wir mit einem Rollator durch die Stadt gelaufen und haben Wege, Geschäfte, Restaurants, öffentliche Gebäude, etc. geprüft. Die Ergebnisse halten wir in Texten, Tabellen und Karten fest. Es wird deutlich, dass ein großer Verbesserungsbedarf besteht. Für Menschen mit Rollator ist die Altstadt – auch aufgrund ihrer engen Bauweise und der teilweise historischen Pflasterung – sehr schwierig zu begehen. Neben technischen Verbesserungen wie elektrischen Türen oder breiteren Durchgängen könnte auch eine hilfsbereite Einstellung der Einzelhändler einiges ausgleichen.

Rollator.jpgZu den Ergebnissen: Die Situation in der Altstadt ist für ältere Menschen mit Rollator alles andere als ideal. Natürlich sind viele Probleme auch durch die alte Bebauung und die räumliche Begrenzung gegeben. Die historische Pflasterung ist für gehbehinderte Menschen schwer zu bewältigen, andererseits werden Materialien, die leichtgängig sind, auch oft als nicht so schön empfunden oder stehen in Konflikt mit dem Denkmalschutz. Hier gilt es, einen Kompromiss zu finden, der unserer Meinung nach noch mehr in Richtung Seniorenfreundlichkeit zu suchen wäre. Die Gehwege sind für den erhöhten Platzbedarf von Rollatoren – und auch für Rollstühle – oft nicht geschaffen. Hier könnte man entgegenwirken, in dem man in der Altstadt selbst keine Parkplätze entlang der engen Straßen zuweist und die Gehwege verbreitert. Parkplätze stehen in den Parkhäusern ausreichend vorhanden. Zusätzlich könnte man Poller aufstellen, so dass ein Parken wirksam unterbunden wird.
Ferner ist uns aufgefallen, dass es wenige Übergänge in den beiden Angern, auf dem Hauptplatz - wo es zum neuen Konzept gehört -, in der Sandauer Straße u.a. gibt. Dadurch wird langsamen Menschen das Überqueren sehr erschwert bzw. sie müssen lange Umwege in Kauf nehmen. Das ist ein Problem, wenn das Gehen sowieso schon schwer fällt. Hier sollten mehr Übergänge geschaffen werden, diese auch optisch hervorgehoben werden und darauf geachtet werden, dass die Bordsteine dort ausreichend abgeflacht sind. Generell sollte zudem im Bereich der Straßen und Wege darauf geachtet werden, dass diese möglichst hindernisfrei bleiben.
Stand_HP3.JPGUns ist klar, dass die Geschäfte in der Altstadt durch den begrenzten Raum in einem Konflikt stehen, ihre Ware möglichst gut zu präsentieren, und andererseits genug Platz zum Durchgehen zu lassen. Hier müsste noch vermehrt ein Bewusstsein für die Bedürfnisse älterer Menschen geschaffen werden. Türen, Schwellen und Stufen sind bereits am Eingang von Geschäften, Banken, Restaurants und Cafés ein schwer zu überwindendes Hindernis. Teilweise wurden Rampen angelegt, die manchmal aber so steil sind, dass sie kaum zu überwinden sind. Unsere Vorschläge wären, dass Türen öfter offen stehen sollten, was im Winter natürlich nicht umsetzbar ist. Hier wären dann elektrische Türen eine gute Alternative. Diese sollten aber nicht nach außen oder innen aufgehen, sondern beidseitig, da sie sonst gehbehinderte Menschen, die nicht schnell ausweichen können, treffen könnten. Wo das nicht möglich ist, würde es uns gut gefallen, wenn man am Eingang klingeln oder hupen könnte und dann die Bedienung die Tür aufhalten würde. Auch Hupen am Rollator direkt wären hilfreich, um Mitmenschen darauf aufmerksam zu machen, dass jemand Hilfe benötigt.
Für Geschäfte mit geringem Platz wäre es auch eine Alternative, statt die Gänge zu verbreitern oder Lösungen für Treppen oder Stufen innerhalb des Ladens zu suchen, wieder mehr auf Bedienung der Kundschaft zu setzen, die dann sich gar nicht selbst durch den Laden bewegen müsste.
In den Restaurants und Cafés wäre es gut, zumindest ein Teil der Tische und Stühle etwas weniger eng zu stellen, um Menschen mit Rollator die Möglichkeit zu geben, an einen Tisch zu gelangen.

Auch wenn manche Probleme nicht oder nur schwer lösbar sind, gibt es doch Punkte, die man durchaus angehen könnte und die Menschen mit Rollator das Leben in der Stadt deutlich erleichtern würden. Neben technischen Lösungen kann guter Wille und Entgegenkommen der Beschäftigten in den Geschäften, Restaurants etc. Landsbergs auch einiges ausgleichen. Dass der Wille dazu da wäre, haben wir innerhalb unserer Untersuchung oft erfahren, wenn uns Menschen angesprochen und zugegeben haben, dass sie über diese Problematik noch nie nachgedacht haben, aber aufgeschlossen für Vorschläge und Ideen waren.
Daher haben wir vor, der Stadt Landsberg vorzuschlagen, eine kleine Broschüre herauszugeben und an die Einzelhändler und Gastronomiebetriebe zu verteilen, in der ein Bewusstsein für die Problematik geschaffen wird und unsere Vorschläge zur Verbesserung aufgegriffen werden.
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Man kann davon ausgehen, dass die von uns beschriebenen Ergebnisse und Verbesserungsvorschläge nicht spezifisch für Landsberg sind, sondern sich mit Abstrichen auch auf andere Städte mit ähnlicher Größe und Altstadt übertragen lassen."

 

Beeindruckt von der Ernsthaftigkeit, Systematik und gedanklichen Tiefe, mit der die Jungforscherinnen an die Sache herangegangen sind, gratulierte im Namen der Schulgemeinschaft natürlich auch Schulleiterin Ursula voller Stolz die beiden Preisträgerinnen in Gegenwart ihrer Lehrerin Susanne Häffner, die die Mädchen nach Dingolfing begleitet hatte.

 

 

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