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56. Theatertage der Bayerischen Gymnasien

"So schreitet in dem engen Bretterhaus den ganzen Kreis der Schöpfung aus!" - Ursula Triller eröffnet mit den Worten des Theaterdirektors aus Goethes Vorspiel zum "Faust" die 56. Theatertage der Bayerischen Gymnasien am IKG

TheatertageEröffngStelz1HP.JPGEben noch kletterten fröhlich ratschend Schülerinnen und Schüler mit Rucksäcken, Reisetaschen, Schlafsäcken und Isomatten bepackt aus ihren Bussen und strömten dem Haupteingang des Ignaz-Kögler-Gymnasiums zu, nun lehnen sie sich schon lachend und winkend aus den weit geöffneten Fenstern. Vor dem Haupteingang werden die eintreffenden Festgäste freundlich von den schwarz-weiß livrierten Mitgliedern der Schülerfirma Comedis begrüßt, die auch beim Stehempfang eine Stunde später im Innenhof der Schule für ihr leibliches Wohl sorgen werden. Aber noch ist es nicht soweit. Vor dem kulinarischen Schmausen gibt es einen Augen- und Ohrenschmaus. Musik ertönt, überrascht dreht sich alles um: Da kommen in fantastischen Kostümen "Die Stelzer" wie aus dem Nichts und schreiten virtuos durch die Zuschauermenge und versetzen alles trotz erster Regentropfen in gelöst erwartungsfrohe Theaterstimmung.

TheatertageEröffngStelz2.JPG TheatertageEröffngRedeTri.JPG"Freue dich mit mir! Es ist so traurig, sich allein zu freuen!", begrüßt Frau Triller als Hausherrin kurz darauf die Gäste zur feierlichen Eröffnung der 56. Theatertage der Bayerischen Gymnasien, die in diesem Jahr vom Ignaz-Kögler-Gymnasium ausgerichtet werden und dankt allen namentlich, die dieses Ereignis durch ihren besonderen Einsatz und ihre Unterstützung möglich gemacht haben. Lessings "Minna von Barnhelm", die sie dabei zitiert, sei es gewesen, wie sie verrät, die sie erstmals als Sechzehnjährige in Atem gehalten und fürs Schauspiel auf immer begeistert habe. Seit alters her fasziniere viele Menschen am Theater die Darstellung des Lebens als Spiel: die beispiellose Direktheit des Sehens und Hörens mit der menschliches Verhalten besonders plastisch dargestellt sei, mit der - wie in einem Brennspiegel - Extreme eng beieinander betrachtet werden könnten: "Bekannte Räume, nicht nur geographische, sondern auch solche des Denkens und Fühlens, des Geistes, des Herzens und der Seele, werden in ihrer Fragwürdigkeit und Größe, ihrer Reinheit und Verworfenheit, ihrer Klarheit und Rätselhaftigkeit ins helle Licht gestellt, miteinander konstrastiert und verfremdet, um den Blick freizumachen für das, was dahinter- und darunterliegt: die conditio humana. Indem das Theater diese coditio humana zur Schau stellt und sie dadurch relativiert, verhilft es dem, der sich auf dieses Schau-Spiel einlässt, zu einer Haltung der Identifikation, des Mitleidens oder der Distanz, im besten Fall zu Leichtigkeit und Freiheit im Umgang mit den Widrigkeiten und dem ermüdend Immergleichen des Lebens". Warmherzig heißt die Schulleiterin die angereisten Schultheatergruppen aus Bad Kötzting, Erding, Erlangen, Ingolstadt, Landsberg, München, Neubiberg, Ottobrunn und Straubing mit ihren Leiterinnen und Leitern willkommen und zeigt sich zugleich geehrt durch die Anwesenheit hochrangiger Gäste, die es sich nicht nehmen lassen, ihrerseits Grußworte zu entrichten: Dr. Wenrich als Vertreter des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, Frau Arndt, die Vorsitzende der Landeselternvereinigung, Frau Bovenz, die stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Herr Meißner, der Vorsitzende der Fördergemeinschaft für das Schultheater in Bayern, Landrat Eichner und Oberbürgermeister Neuner. TheatertageEröffngRedeBayPhilLandeseltern.JPG

P1000323.JPGZum Vergnügen des Publikums schlüpfen sie bei ihrem Defilee  souverän-augenzwinkernd in die Rollen, die ihnen dabei von unsichtbaren Regiestimmen zugewiesen werden. Der Landrat etwa lässt sich als Schirmherr des Festival von zwei Unterstufenschülerinnen unter einem Regenschirm zum Rednerpult begleiten, Herr Meißner als Organisator im Hintergrund von einem schwarzen Tuch verbergen und schließlich bringt ein "Bube die Bayernfahne", um "Frau Bovenz vom Bayerischen Philologenverband bezaubernd bavaresk" ebenso auf die Bühne zu begleiten wie die von einer Schar von Kindern umgebene Landeselternvertreterin. Aber auch die musikalischen Einlagen der drei Abiturienten Katharina Gruber, Kilian Sparrer und Elias Steiner  sorgen mit  den sarkastisch-frivolen Bodo-Wartke-Liedeinlagen dafür, dass sich alle Anwesenden köstlich amüsieren können. So eilen die Minuten nur so dahin bis sich die Türen zum Innenhof öffnen und an weißen Stehtischen auf den Beginn des Festival angestoßen werden kann. TheatertageEröffngStehempfang.JPG

Dabei pflanzt sich die gelöste, heitere Stimmung  von Gesprächsrunde zu Gesprächsrunde fort. An einem der Tische sieht man Frau Triller noch für eine Weile mit dem Landrat Eichner und  Herrn Krautwald von der Stiftung der Sparkasse Landsberg-Dießen stehen, die durch ihre großzügige Spende die Finanzierung der Theatertage übernommen hat.  Bald schon wird man aufbrechen, um sich im Stadttheater mit dem Stück "Uferlos" von der Freien Waldorfschule Landsberg die erste Produktion anzuschauen, einer an schauspielerischem Können faszinierenden Schülerdarbietung, der zweifelsohne weitere folgen werden. Kein Wunder, wenn die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler abends müde in den leergeräumten Klassenzimmern auf ihre Matrazenlager sinken. Dass die Schlichtheit der Unterbringung keinen von ihnen stört, spricht einmal mehr von der Faszination des Theater: Hier schafft die Fantasie herbei, was der Realität abgeht und ist sich selbst genug.

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