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Hausaufgabentipps für Eltern

Wie Sie Ihr Kind pädagogisch sinnvoll unterstützen können

In unseren Lernseminaren werden wir immer mit den gleichen Fragen konfrontiert: Soll ich meinem Kind bei den Hausaufgaben helfen? Wie helfe ich bei den Hausaufgaben? - Im Folgenden möchte ich versuchen, diese Frage zu beantworten.

Ja, Sie sollen Ihrem Kind helfen - aber im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe. Sie dürfen Ihrem Kind immer nur so viel Hilfe anbieten, wie unbedingt nötig ist, damit es selbständig weiterarbeiten kann. Nur dann besteht die Chance, dass Ihr Kind wirklich etwas lernt und seinen Lernerfolg auch als eigenen Erfolg ansieht. Zu viel Hilfe macht Ihr Kind unselbständig und verhindert, dass es eine ähnliche Aufgabe selbst löst.

Allgemein gilt deshalb:

  1. Anstöße geben

    Lösen Sie nie eine ganze Aufgabe bzw. beantworten Sie nie eine aufgegebene Frage vollständig! Geben Sie Anstöße und lassen Sie Ihr Kind dann selber weitermachen, verbunden mit einem aufmunternden Wort.

    Wenn Sie merken, dass Sie selbst das fachliche Problem nicht verstehen, sollten Sie das Ihrem Kind offen sagen. Sie helfen ihm damit mehr, als wenn Sie selbst im Nebel herumstochern, denn Sie verwirren Ihr Kind unter Umständen. Erfahrungsgemäß steigt übrigens der Respekt von Kindern gegenüber Erwachsenen, wenn diese offen zugeben, was sie können und was nicht.

    Eltern sind nicht die Nachhilfelehrer der Nation. Wenn Sie helfen können, ist das in Ordnung, wenn nicht, ist es auch in Ordnung. Hauptverantwortlich für die Klärung von Unverstandenem sind die Fachlehrkräfte.

  2. Hilfen im emotionalen  Bereich

    * Erzählen lassen!
    Kinder sind oft intellektuell durchaus in der Lage, eine Aufgabe zu erledigen, sind jedoch gefühlsmäßig blockiert. Beispielsweise bedrücken das Kind Probleme mit Mitschülern, leidet es unter einem Geschwister, hat es etwas angestellt, was es noch nicht gebeichtet hat, usw. Es gibt sogar Fälle, in denen die Kinder unter Spannungen zwischen Elternteilen so stark leiden, dass sie geistig und seelisch vor allem mit diesem Thema beschäftigt sind. Kinder bekommen sehr viel mehr mit, als man als Erwachsener meint und hofft!

    Erkundigen Sie sich erst einfühlsam, ob Ihr Kind irgendein solches Problem mit sich herumschleppt - meist spüren Sie als Eltern ja ohnehin, ob in Ihrem Kinde etwas "brodelt". Die menschlichen Probleme eines Kindes müssen immer Vorrang haben vor Schule und Hausaufgaben - und sie haben auch tatsächlich und unvermeidlich Vorrang, was sich z.B. in daraus resultierender Konzentrationsunfähigkeit äußert.

    * Zuwendungsangebote machen!
    Nicht selten verfolgen Kinder mit ihrem Ruf nach Hilfe bei den Hausaufgaben eigentlich das Ziel, Nähe und Zuwendung eines Elternteils zu gewinnen. Wenn Sie durch Beobachtung und Überlegung erkannt haben, dass diese Situation gegeben ist, dürfen Sie das kindliche Bedürfnis nicht einfach zurückweisen. Sie müssen es ernst nehmen, aber: Es darf nicht zum Dauerzustand werden, dass Ihr Kind sein Bedürfnis im Zusammenhang mit Hausaufgaben stillt. Machen Sie dem Kind den Vorschlag: "Probiere jetzt alleine, deine Hausaufgaben zu machen, denn du kannst das sicher; nur wenn du sonderliche Schwierigkeiten hast, kommst du zu mir. In einer halben Stunde machst du dann Pause und wir ratschen oder spielen miteinander."

  3. Schrittweise Hilfe zur Selbsthilfe bei fachlichen Problemen

    *  Das Kind soll es erst einmal selber versuchen!
    Gewähren Sie keine Soforthilfe, wenn Sie merken, dass Ihr Kind sich mit der Aufgabe noch gar nicht auseinander gesetzt hat. Als Hilfe können Sie anbieten: "Wenn Schwierigkeiten auftauchen, wenn du gar nicht mehr weiterkommst, dann komme ich. Ansonsten schaue ich dir gerne am Schluss die Aufgaben durch." Der letzte Satz soll dabei so ausgedrückt werden, dass er vom Kind nicht als bloße Kontrolle verstanden wird.

    * Erst Schwierigkeiten klären!
    Aufgabenstellung erklären lassen, dabei vom Kind erklären lassen, worin die Schwierigkeit besteht. Nachfragen, in welchem Punkt die Schwierigkeit besteht. Vor jeder weiter gehenden Hilfe muss die Beantwortung der Frage stehen: Was genau beherrscht das Kind nicht? Gezielte Hilfe ist erst nach einer Ursachenabklärung möglich.

    Die Ursachenanalyse muss im Gespräch miteinander durchgeführt werden. Unter Umständen sollte der helfende Elternteil die Ausführungen des Kindes über seine Verständnisschwierigkeiten nochmals mit eigenen Worten wiedergeben, um zu prüfen, ob man die Probleme wirklich richtig verstanden hat. Wenn das Kind von sich aus Schwierigkeiten nicht so recht benennen kann, müssen Sie ihm natürlich verschiedene Erklärungen für das Unverständnis anbieten.

    Die Probleme liegen übrigens oft im Verständnis von Fremdwörtern, Fachbegriffen oder im fehlenden Grundwissen. Wer z. B. Brüche berechnen will, muss teilen können, und wer dabei schon Schwierigkeiten hat, dem hilft keine noch so schöne Erklärung des Bruchrechnens selbst. Liegen Schwierigkeiten dieser Art vor, soll das Kind das Problem mit Hilfe des Buches oder Heftes selbst klären bzw. die Lücken auf diese Weise schließen; gelingt dies nicht, können Sie - wenn Sie es können! - die Erklärung geben.

    * Hilfen bei unverstandener Aufgabenstellung
    Wenn Sie in der Lage dazu sind, erklären Sie die Aufgabe mit eigenen Worten bzw. formulieren Sie die Fragestellung um. Machen Sie das aber nicht zu oft! Ihr Kind muss ja in der Lage sein, mit einer vorgegebenen Fragestellung zurecht zu kommen.

    * Hilfen, wenn die Aufgabenstellung klar, die eigentliche Bearbeitung aber nicht möglich ist
    Auf früher gemachte Aufgaben derselben Art, Schulheft oder Buch verweisen! Unter Umständen Lexika oder dergleichen hinzuziehen lassen! Ihr Kind wird auf diese Weise angeregt, über den  bestehenden Zusammenhang zwischen Hausaufgaben und Unterricht nachzudenken; es macht damit die wichtige Erfahrung, dass man mit dieser Methode in den meisten Fällen Schwierigkeiten beherrschen kann. Ihr Kind lernt also Selbständigkeit.

    Gezielte Erklärungen geben, um kleinere Lücken zu schließen! Umfangreichere Aufgabe in Teilaufgaben zerlegen! Ersten Teil der Aufgabe lösen! Der erste Schritt fällt bekanntlich oft sehr schwer, ist er aber getan, dann fällt der Groschen. Wie bei allen Hilfen gilt: Seien Sie vorsichtig und gehen Sie sparsam mit dieser Methode um! Das Kind darf sich nicht daran gewöhnen, immer den Anfang "serviert" zu bekommen.

    * Fehler selber korrigieren lassen! Man weist das Kind global auf einen Fehler in einer Zeile, in einem Absatz oder auf einer Seite hin. Es entwickelt dadurch ein Auge für Fehler, erkennt vielleicht selbst, worin der Fehler besteht, und verbessert ihn selber. Auf diese Weise kommt ihm der Fehler auch nicht so schlimm vor - eine für das Selbstbewusstsein eher ängstlicher Kinder sehr vorteilhafte Wirkung!

  4. Wenn nötig: Aufhören!

    Sollten all die genannten Hilfen nichts fruchten, dann sollten Sie der unangenehmen Situation ein Ende setzen. Vielleicht hilft es, später weiterzumachen.  Wenn auch das nichts bringt, schreiben Sie Ihrem Kind ein paar Zeilen ins Heft (mit Unterschrift, damit der Lehrer weiß, was los ist, und nicht vermutet, dass eine Hausaufgabe bloß aus Faulheit nicht gemacht wurde).


Gabriele Götz-Rechenberger

 

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